Machtarchitekturen in Bildungs-, Verwaltungs- und Arbeitsorganisationen
Kurzbeschreibung
Das Projekt untersucht organisationale Machtverhältnisse in Bildungsinstitutionen, öffentlichen Verwaltungen und Betrieben auf Grundlage eines eigenständig entwickelten mehrdimensionalen Machtmodells von ZMOD². Ziel ist es, Macht nicht eindimensional (z. B. hierarchisch oder repressiv), sondern als komplexes Geflecht aus strukturellen, relationalen, symbolischen und subjektivierenden Dimensionen empirisch zu rekonstruieren.
Im Zentrum steht die Analyse von Organisationen als machtstrukturierte soziale Ordnungen, in denen formale Entscheidungswege, informelle Praktiken, kulturelle Selbstverständlichkeiten und individuelle Wahrnehmungen ineinandergreifen. Das Projekt macht sichtbar, wie Macht organisiert, legitimiert, verschoben oder verdeckt wird – und wie sie von Organisationsmitgliedern wahrgenommen, internalisiert oder bearbeitet wird.
Das mehrdimensionale Machtmodell von ZMOD² integriert klassische machttheoretische Bezugspunkte, geht jedoch bewusst über diese hinaus, indem Macht als relationale, organisationale und subjektive Praxis zugleich gefasst wird.
Das mehrdimensionale Machtmodell (ZMOD²)
Das Projekt arbeitet mit einem analytischen Modell, das u. a. folgende Dimensionen unterscheidet:
- Strukturelle Macht (Hierarchien, Zuständigkeiten, formale Regeln)
- Prozessuale Macht (Entscheidungswege, Routinen, Verantwortungszuschreibungen)
- Relationale Macht (Abhängigkeiten, Loyalitäten, Netzwerke)
- Symbolische Macht (Deutungshoheit, Normalitätsordnungen, Legitimation)
- Subjektivierende Macht (Selbstkontrolle, Anpassung, Überidentifikation, Rückzug)
Diese Dimensionen werden nicht isoliert betrachtet, sondern in ihrer wechselseitigen Verschränkung rekonstruiert.
Zentrale Fragestellungen
- Wie sind Machtverhältnisse in Organisationen mehrdimensional organisiert?
- Wie werden Entscheidungen vorbereitet, verteilt, legitimiert oder entzogen?
- Wie erleben Organisationsmitglieder Macht, Ohnmacht oder Verantwortungsasymmetrien?
- Welche Rolle spielen Führung, Interessenvertretung (z. B. BR, PR, MAV) und organisationale Kultur?
- Wie entstehen organisationale Dysfunktionen, Konflikte oder Belastungen aus Machtarchitekturen?
Methodisches Vorgehen
- Qualitative Interviews mit Führungskräften, Mitarbeitenden und Interessenvertretungen
- Rekonstruktive Fallanalysen organisationaler Entscheidungs- und Konfliktkonstellationen
- Analyse von Dokumenten, Regelwerken und organisationalen Selbstbeschreibungen
- Auswertung mit rekonstruktiven Verfahren (z. B. dokumentarische Methode, Grounded Theory)
Ergebnisse & Transfer
Das Projekt entwickelt ein praxisnahes Analyseinstrument auf Basis des ZMOD²-Machtmodells, das Organisationen ermöglicht,
- Machtstrukturen systematisch zu erkennen und zu reflektieren,
- Belastungs- und Konfliktdynamiken frühzeitig zu identifizieren,
- Führungs- und Beteiligungsstrukturen machtsensibel weiterzuentwickeln.
Die Ergebnisse fließen in Organisationsberatung, Fort- und Weiterbildung, die Arbeit von Interessenvertretungen sowie in wissenschaftliche Publikationen ein.